„Und wer bist du?“ Ich fasse es nicht. Da will ich mich einfach mal am Nachmittag auf einer Wiese bräunen und dann kommt so ein Spacko und nimmt mir die Sonne. Noch kann ich ihn nicht erkennen, meine Augen sind geschlossen, aber ich kann seinen Schatten auf meiner Haut spüren. Ein leises Lachen gefolgt von einer echt merkwürdigen Stimme. Klingt irgendwie hohl… „Ich bin dein schlimmster Albtraum.“ Was für eine Ansage. Na der kann sich auf was gefasst machen. „Jaja, wer’s glaubt wird selig.“ Und mit den Worten setze ich mich auf, öffne die Augen und blicke in seine Richtung. Fast noch im selben Augenblick heben sich meine Augenbrauen und ich kann nicht fassen, was da vor mir steht. „Was zum…?!“ Da steht ein Typ, aber wie er dort steht ist einfach nur… Schräg. Ein Kerl, mit einer Maske auf dem Kopf, die nur zwei kleine Schlitze für die Augen hat. Soll wohl einen Wolf darstellen. Um seine Schultern sind… Ja, auf den ersten Blick sind das Hosenträger, aber danach stelle ich fest, das da Flügel dran hängen. Und die sind auch noch mit braunem Fell überzogen! Was ist das nur für ein Kunde? Die Hosen hängen auch auf halb acht, als wäre er der Größte. „Was zur Hölle soll das denn sein?!“ Der Typ sieht aus, als würde er gleich auf mich losgehen, aber was macht er, er dreht sich zur Seite und zeigt auf seinen Hintern. Was ich da sehe, geht ja mal gar nicht. Nicht nur, das der halbe Mond sichtbar ist, nein! Dem Kerl ragt auch noch ein brauner Pfeifenreiniger aus dem Arsch! „Na, klingelt’s?“ Als würde ich wissen, was in so einem kranken Kopf vor sich geht. „Naja… Nein?“ Typische Antwort, oder? Aber ich bin mir sicher, dass ihm gerade alle Gesichtszüge entgleist sind. Und wie zur Antwort schiebt er die Maske hoch und schaut mich fassungslos an. „Du ungebildeter Penner! Das sieht doch jedes Kleinkind, was ich bin!“ Naja, scheinbar nicht, was? Ich jedenfalls komme nicht dahinter, was dieser Freak an Drogen eingeworfen hat. „Man jetzt sag mir doch endlich, was das soll! Ich hab keinen Bock, zu raten, was du da ausgebrütet hast!“ Und fast im selben Moment lässt der Kerl die Hände sinken und scheint endlich aufzugeben. Wie nervig… Soll er doch einfach irgendwo sterben gehen und mich nicht mit seinem kranken Müll belästigen! Aber sein Blick sagt schon wieder etwas anderes. Na geil, ich bereite mich schon mal auf eine stundenlange Erklärung vor. „Ich bin der WerPir, verdammt! Der WerPir!!“ Ich runzele schon wieder die Stirn. DAS hab ich nun wirklich nicht erwartet. „Was für’n Scheiß??“ Ich hätte nicht fragen dürfen… Der Kerl kommt doch tatsächlich auf mich zu, packt mich an den Schultern und schüttelt mich durch. Ne Waschmaschine ist nichts gegen den… „Der WerPir! Der WERPIR!!!“ Jetzt reicht’s, ich klatsch ihm eine. Hat der auch nicht anders verdient, echt nicht. „Ja, ist mir klar! Aber WAS ist das, verdammt noch mal!“ Und schon hat er sich die nächste gefangen. Aber was macht er? Er grinst! Er lacht mich aus! „Na wenn du das schon nicht weißt, kann ich dir auch nicht helfen.“ Nein, jetzt reicht’s. Ich geh auf ihn und trete ihm mit viel Anlauf in die Magengrube. Er hat es ja so gewollt, oder? „Jetzt erklär dich, du Vollpfosten, oder ich mach weiter.“ Ich stehe über ihm und sehe auf ihn hinab. Er windet sich vor Schmerz, das gefällt mir, ich fange an zu grinsen. Er hat es ja so gewollt… Er sieht mich nur mit zu Schlitzen verengten Augen an und zischt irgendetwas Unverständliches. Leicht genervt schüttle ich den Kopf und trete noch einmal nach, schön in die Nieren. Dann hocke ich mich neben ihn und sehe ihn an. „Jetzt erklär endlich, ich hab keine Lust mehr auch den Scheiß.“ Ein wenig verärgert sieht er mich an, setzt sich dann aber auf und beginnt zu erklären. „Na der WerPir, ich bin halb Werwolf und halb Vampir, das ist doch eindeutig! Wie kannst du das nur übersehen, das sieht ein Blinder mit einem Krückstock!“ Scheinbar bin ich also doch nicht blind, ich dachte schon… Verdammt, wo ist mein Ironieschild, das konnte ich jetzt hochhalten! „Du wie kommst du auf diesen Unfug, ein WerPir zu sein? Das ist doch völliger Unsinn!“ Jetzt sieht er aus, als wolle ich mich gleich köpfen, irgendwie lustig. Das stelle sich mal einer vor, den Kopf abgeschlagen von einem Verrückten, der sich irgendeinen Dreck ausdenkt, das wäre mehr als demütigend. Ich stehe also auf und gehe ein paar Schritte, während ich auf seine Erklärung warte. „Ich weiß es einfach! Ich wusste es gleich, als ich…“ Komisch, der hört plötzlich auf zu labern. Was hat den denn gebissen? Und ich dachte, der ist da ein Wasserfall. Naja, irgendwas ist auf jeden Fall, also frage ich gleich mal nach. „Was ist? Was hast du getan? Welchen kranken Müll hast du dir einfallen lassen?! Jetzt sag schon, wann hast du es gleich gewusst??“ Der Kerl hat doch tatsächlich die Idee, einfach wegzuschauen. Schon dafür müsste ich ihn gleich wieder treten, aber nein. Wäre jetzt wohl eher kontraproduktiv, also doch lieber abwarten und… Tee trinken? Gute Idee, das mach ich jetzt auch. Und während dieser Typ sich überlegt, was er am besten machen könnte, setze ich mich einfach hin und trinke den Tee, den mir meine Oma in weiser Voraussicht mitgegeben hat. Hätte nicht gedacht, das die alte Schachtel Recht behalten könnte. Ach egal, muss ich ihr ja nicht auf die Nase binden. ~ Ich hab’s dir doch gesagt, nimm den Tee mit, Jungchen hab ich dir gesagt. Aber du wolltest ja erst nicht! ~ Ja, das dürfte ich mir dann wohl anhören und einen stundenlangen Vortrag darüber, das sie Recht hatte und Bla. Doch Die Olle ist nicht da und damit ist’s mir auch Wurst. „Naja, ich hatte damals…“ Ich sehe auf, will den Kerl eigentlich nicht ansehen, mach es dann aber doch. Und schon könnt ich wieder das Kotzen kriegen, krabbelt das gar nicht im Arsch?? Wie hält der das nur aus? „Ja, was damals? Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!“ Hm… Gute Idee eigentlich. Zange holen und dann raus mit dem Hirn. Schön durch die Nase, damit er es auch ja sehen kann! Dann sieht er auch mal, wo der ganze Dreck herkommt! Aber, will ich das wirklich sehen? Vielleicht macht er es ja auch freiwillig… Also… Mir erzählen, was los war. „Na ich hab da was Bestimmtes gegessen!“ Großkotzig sieht er mich an und dreht sich dann nicht. Moah… Der Kerl könnte Mitarbeiter von Microsoft werden. Total kurze, präzise, aber nichts sagende Antworten! Oh Gott, Nein! Kopfkino! Scheiße… Jetzt stell ich mir ein ganzes Call-Center voll mit diesen Freaks vor… Nicht zum Aushalten! Ringelpietz mit anfassen, jeder greift sich den Pfeifenreiniger des Vordermanns! Bääähhhhh… Schon wieder kurz vorm Erbrechen, das ist doch eklig! Warum muss ich so eine drecks gute Fantasie haben?? Egal der Typ will mir ja was erzählen. „Jetzt aber raus mit der Sprache! Und keine Ausflüchte mehr“ Wenn ich jetzt so was wie ‚Was Heißes auf nem kalten Teller’ höre dann knallt’s, aber gewaltig!“ Scheint so, als hätte er verstanden, der Freak sieht mich leicht verstört an, scheint aber aufgegeben zu haben, was seine Ausflüchte betrifft. Also kommt jetzt die große Geschichte? Ich gieß mir lieber noch mal Tee in meine Tasse, wer weiß was jetzt kommt. „Naja, am Besten ich sag es einfach gerade raus, was? Ich hatte… Wolfsragout mit Fledermaussoße…“ Toll! Gerade wo ich einen Schluck genommen hatte. Ein Timing wie eine kaputte Uhr! Schlägt immer zur beknacktesten Zeit Zwölf.
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